Am Morgen zeigt das Thermometer 6 Grad an.
An einem Parkplatz fotografiere ich den See. Plötzlich bellt mich ein Hund an. Ich drehe mich um. Er steht in einem MSR Hubba Hubba Zelt ohne Außenzelt. Ich denke mir erst: Eine sonderbare Art von Hundezwinger. Dann sehe ich aber, dass sein Frauchen ihn beruhigt. Wir grüßen uns.
In Dalen befrage ich den Wetterbericht. Er teilt mir mit, dass es heute bis zu 33 Grad werden in Dalen. Ich vergleiche das mit den Frankfurter Werten. Frankfurt liegt unter Südnorwegen.
Ich bekomme eine Erdstraße spendiert. Es ist eine der besseren. Was aber auffällt, dass auch diese Erdstraße eine Mautstraße ist. Wenn ich mich richtig entsinne, war die andere Erdstraße nach Dagali auch eine Mautstraße. Aber ansonsten habe ich bisher keine Mautstationen gesehen. Das Schöne daran: Die Straße ist sehr ruhig.
Ich habe eigentlich schon den gestrigen Tag als ziemlich heiß empfunden. Aber ich bin mir in Skandinavien nie so ganz sicher, ob es heiß ist oder ob die Sonne so lange hoch steht und man deswegen so wenig Schatten hat, sodass der Eindruck entsteht, es wäre heiß. Nachdem ich die Werte im Wetterbericht gesehen habe, befrage ich die KI, ob in der norwegischen Presse eine Hitzewelle besprochen würde. Die KI teilt mir mit: Ja. Und ich fahre genau in dem Gebiet, für das die Hitzewelle angesagt ist.
In Dalen komme ich dann auf die Beschilderung der Nummer 2. Also die neue Version der Route 2 ist von Dagali nach Dalen nicht beschildert. Ich werde zuerst auf eine Erdstraße geleitet. Es ist total ruhig. Ich habe sehr schöne Ausblicke. Am Ende der Erdstraße kommt ein Anstieg.
Mein Router meint, es seien Steigungen bis zu 15 %. Ab und zu hat die Grobmaschigkeit von digitalen Höhenmodellen ihre gewissen Vorteile. Es sind alles Fehleinschätzungen, es dürften so ungefähr 7% sein. Irgendwann hält ein norwegisches Auto neben mir und eine Frau versucht mir etwas zu erklären. Zuerst denke ich, sie will mir erklären, dass irgendetwas an meinem Fahrrad runterhängt, aber ich sehe nichts. Im Nachhinein frage ich mich, ob sie mir anbieten wollte, mich den Gipfel hochzufahren.
Und noch mal schlägt die Ungenauigkeit des digitalen Höhenmodells zu. Eigentlich soll es wüst auf und ab gehen, aber es geht eigentlich ganz gemächlich vor sich hin. Beim zweiten Teil der Strecke hat leider das digitale Höhenmodell recht. Es geht dumm und dämlich rauf und runter. Der schwedische Eierkarton kann da noch etwas dazu lernen.
Dann überlege ich mir, wo ich übernachte. Das Ziel, was ich mir vorgenommen habe, erscheint mir, je öfter ich es mir im Satellitenfoto und Google View anschaue, als ungeeignet. Also überlege ich, auf den Campingplatz zu gehen. Die elektronische Buchung funktioniert aus irgendeinem Grund nicht. Ich komme auf die Straße 41 und es herrscht Trubel. Ich sehe auf mein Handy und stelle fest: Es ist Freitag. Ob ich am Freitagabend auf einen Campingplatz will, wenn eine Hitzewelle ist. Ich weiß nicht?
Also entscheide ich: Ich klettere noch mal. Und ich entdecke einen Parkplatz und sage mir, da es diese Nacht nicht regnet, muss ich kein Zelt aufschlagen. Und kann nur allen die Empfehlung geben: Wenn ihr nach Norwegen fahrt, kauft freistehende Zelte. Es gibt immer wieder Plätze, wo man vielleicht übernachten könnte – so halb legal, halb illegal – aber man keine Zeltnägel in den Boden bekommt.