Am Morgen, als ich mein Zelt abbaue, gehe ich irgendwann auf den Jungwald zu. Plötzlich höre ich Getrampel, erstaunlich laut und kräftig. Ich frage mich, ob die Größe eines Rehs für diese Lautstärke ausreicht. 10 Minuten später fahre ich los. Plötzlich rennt mir eine Elchkuh und ein Elchkalb über den Weg.
Norwegen war ja erstaunlich geizig in puncto Wildtiere. Es patscht neben mir sehr laut und im Moor rennt neben mir eine Hirschkuh entlang.
Kurz vor Porsgrunn tut sich plötzlich das Meer auf. Eigentlich verstehe ich, dass es das Meer sein muss, weil plötzlich riesengroße Schiffe auf dem Wasser schwimmen. Es handelt sich um eine Riesenindustrieanlage oder um mehrere. Zu Hause muss ich nachsehen, um was es sich genau handelt, aber ich nehme an, es handelt sich um Energie, denn es sieht nach Raffinerien aus und interessanterweise gibt es auch einige Kohlenhalden hier in diesem Anlagengebiet in Norwegen.
Puncto Tierbegegnungen ist die Dramaturgie deutlich verbesserbar. Es läuft zum Abschluss ein Iltis oder Marder über die Straße.
Sonntagmorgen scheint die Testosteron-Ausfahrstunde in Norwegen zu sein. Ein tiefergelegter BMW rast an mir vorbei und hupt mich an. Dann kommt noch ein tiefergelegter BMW mir entgegen und meint, mal kurz einen Kavaliersstart hinlegen zu müssen, so dass die Reifen rauchen. Irgendwann tuckert ein sehr alter Mann auf seiner Harley-Davidson mit irgendeiner Rockmusik aus den Lautsprechern einsam und allein durch das Stadtzentrum von Porsgrunn.
Ich bin erstaunlich früh in Larvik angekommen. Mit meinen 50 Kilometern war ich ca. um halb 10 in Larvik. Ich hätte eigentlich damit gerechnet, dass ich erst so um 12 oder um 13 Uhr da bin, denn das Höhenprofil sah nicht besser aus als am Tag zuvor.
Aber die Erdstraße war nicht mehr lang eine Erdstraße, sondern wurde zu einer Asphaltstraße und der Rest fuhr sich eigentlich auch erstaunlich gut. In Larvik setzte ich mich in einen Park am Meeresrand, lese ein Buch, um mich dann zum Fähranleger zu begeben und mich endlich ordentlich zu waschen.
Am Fähranleger angekommen, bin ich der einzige Radfahrer. Letztes Jahr, als ich ankam, standen schon zehn da. Entweder bin ich früher da oder heute fahren nicht so viele. Ich finde immer die Motorradfahrer am Fähranleger interessant mit ihren schweren Ledermonturen, wie sie dann schwitzen. Jetzt hatte ich ein besonders interessantes Exemplar:
Absolut total übergewichtig, klagt über die Hitze, aber anstatt sich in den Schatten auf den Boden zu setzen, setzt er sich in die knallige Sonne auf eine Bank.
In Hirtshals angekommen, steuere ich denselben Zeltplatz an wie letztes Jahr. Dieses Mal bin ich der Einzige. Letztes Jahr standen fünf Zelte schon auf dem Platz. Meine Begeisterung für den dänischen Wald bricht sofort wieder aus. Dieses kleine Teilstück zu dem Zeltplatz, dieser Wald, ich finde ihn wunderschön.