22. Tag Leck – Frankfurt am Main

Wie so gerne, wenn mich das Zugfahren stresst, wache ich viel zu früh auf. Es ist 3:30 Uhr. Ich dusche mich und baue mein Zelt ab. Während ich das trockene Zelt abbaue, fängt es kurz zu nieseln an. Ich habe noch nie so schnell ein Zelt abgebaut.

Der Himmel ist wie letztes Jahr wolkenverhangen, es ist dunkel und es weht natürlich wieder aus der Richtung, in die ich fahren muss. Trotzdem komme ich ziemlich pünktlich zum Zug in Niebüll an.

Im Zug überlege ich, ob ich von Elmshorn nach Wedel fahre oder doch mit dem Zug fahre. Denn 30 km gegen den Wind zu kämpfen, ist dann doch nicht erstrebenswert.

Ich verstehe, dass mein Zug in Elmshorn endet und ich deswegen mit einer Regionalbahn mitfahren soll, also zwei Zuginhalte müssen sich in einen Zug pressen. Deswegen sehe ich mich schon mit meinem Rad von Elmshorn nach Wedel fahren und gegen den Wind kämpfen. Doch ich komme sogar relativ locker in den Zug rein. Die nachfolgenden Radfahrer müssen sich mit den Sitzenden um die Radfahrplätze streiten.

In Hamburg-Altona versorge ich mich erst mit etwas Backwerk, darunter eine Butterbrezel. Liebe Hamburger, lasst es! Punkt A: Eure Brezeln sind keine Brezeln, sondern irgendwas. Die Butter muss dick auf die Brezel und nicht so dünn. Und überhaupt, statisch ist es ganz schlecht, wenn die Brezel zerfällt, wenn man einmal reinbeißt.

Dann versuche ich mich von Hamburg-Altona zum Botanischen Garten durchzuschlagen. Obwohl es in Hamburg Samstagvormittag ist und total leer, ist es konfus zu fahren, trotz GPS. Hamburg ist auch von der Radfahrbeschilderung etwas eigenwillig. Es gibt mal die FGSV-Beschilderung, dann gibt es eine stadteigene Beschilderung, aber es wird nicht konsequent durchgeschildert. Man weiß nicht, wo man hin soll.

Mein Weg führt mich an der Außenalster vorbei. Faszinierend ist die hohe Zahl der Jogger. Am Main laufen nicht so viele Jogger. Teilweise sind die Jogger auch sehr leistungsorientiert. Hinter mir trampelt es. Ich frage mich, ob mich gleich ein galoppierendes Pferd überholen wird, aber es ist eine Dreiergruppe Jogger, die gnadenlos Tempo macht.

Da ich das an der Außenalster ganz schön finde, denke ich mir, fahr gar nicht zum Botanischen Garten, sondern warte hier auf den Zug und lerne dabei, dass die weißen Stühle, die ich im Botanischen Garten vor zwei Jahren entdeckt habe, anscheinend nicht eine Eigenheit des Botanischen Gartens sind, sondern sie stehen auch hier an der Außenalster.

An der Außenalster entlang gibt es eine Fahrradstraße. Es scheint eine beliebte Rennstrecke für Rennräder zu sein, denn es gibt, ähnlich wie bei Autos, ein Messgerät, was einem mitteilt, ob man angemessen langsam fährt und sich dafür bedankt, oder ob man ein Raser ist. Und dieses Messgerät ist speziell für Fahrradfahrer aufgestellt worden.

In dem Hamburger Hauptbahnhof steht die ganze Zeit ein FlixTrain, der nicht losfahren will. Uns Radfahrer wird es allmählich unheimlich, weil wir stehen im Abschnitt A und das ist der Abschnitt, der am weitesten von irgendwelchen Rolltreppen und Fahrstühlen weg ist, um das Gleis zu wechseln.

Dankbarerweise wird der Gleiswechsel 20 Minuten vor Abfahrt angesagt – 20 Minuten vor der verspäteten Abfahrt. Alle Radfahrer können das Gleis wechseln.

Dann steht plötzlich irgendwann auf dem Display des ICEs, dass wir in Frankfurt 45 Minuten zu früh sind. Diese Zeit verkürzt sich. In Hanau halten wir und warten. Ansage des Zugchefs: „Man hat uns umgeleitet. Die Fahrleitung überlegt, ob sie uns hier warten lässt oder nach Frankfurt reinlässt. Notfalls kommen wir pünktlich“

Ende des Liedes: Wir sind ca. 10 Minuten zu spät in Frankfurt. In Frankfurt komme ich erstaunlich gut durch, dafür dass eigentlich Christopher Street Day ist und eine riesengroße Palästina-Demo. Erfreute Feststellung: Die Christopher Street Day Party findet nicht mehr vor meinem Haus statt, sondern am Main.