Die gestrige Abfahrt verlief auf einer Erdstraße und die heutige Auffahrt scheint weiter auf dieser Erdstraße zu verlaufen. Diese Erdstraße ist eine Mautstraße. Mein Thermometer war heute beim Aufstehen auf 5 Grad, und damit wieder deutlich tiefer als die angesagten Werte im Wetterbericht. Es fällt während des Fahrens bis auf 3,5 Grad. Ich bin auf 600 m Höhe.
Der Wind macht mir etwas Sorge. Ich weiß zwar, je näher man dem Gipfel kommt, desto stärker wird der Wind, aber er fängt schon reichlich früher an. Normalerweise fängt das erst so 50 Höhenmeter oder 100 Höhenmeter vor dem Gipfel an. Hier wird der Wind schon 300 Höhenmeter davor stärker. Ich fahre ein Tal entlang und wenn ich zur Seite blicke, kann ich allmählich schon die Baumgrenze entdecken.
Die Landschaft ist einerseits wie Lappland, sehr viele Moore, aber die Bäume sind höher. Auf der Straße habe ich noch kein einziges Auto oder Radfahrer getroffen. Irgendwo verborgen in den Büschen sehe ich ein Zelt mit einem Auto. Irgendwann mache ich ein Foto von einem Moortal. Richtung Norden sehe ich über die Gipfel etwas Schnee blinzeln.
Ich bin auf der 40 angekommen. Der Verkehr nimmt deswegen schlagartig zu. Jetzt geht der Rückweg auf der Route 2 los. Eigentlich wäre es ja ganz schön, wenn nicht die ganzen Ferienhäuser den Landschaftseindruck zerstückeln würden.
Ich werde vermutlich alt. Die Abfahrt nach Børkjeflåta empfand ich als reichlich unangenehm. Die Strecke ist für norwegische Verhältnisse gut ausgebaut. Sie scheint konstant ungefähr 7 % Gefälle zu haben. Es fahren viele Wohnmobile auf dieser Strecke. Das Härteste ist, dass Windstärke 6 herrscht und ich wegen der Böen plötzlich seitenversetzt werde.
Aber es gibt noch eine lustige Geschichte zu erzählen.
Normalerweise ist es ja so, dass wenn man fährt, dass einen der Fahrtwind kühlt. Aus irgendeinem Grund stelle ich mich irgendwo hin und stelle fest: Mein Gott, ist das kalt, zieh deine Jacke an! Dann fahre ich los und mir wird es in der Jacke zu warm. Da merke ich: Rückenwind und Fahrtwind heben sich auf, sodass es auf dem Fahrrad wärmer ist als wenn ich stehe.
Die 40 ist hier nicht die Art Straße, auf welcher ich sonst ganz gerne früher in Skandinavien einfach Fotos gemacht habe, weil ich nicht die Sorge hatte, dass irgendetwas passiert. Ich fahre einfach runter, ohne mich um die Umgebung zu kümmern.
Von Børkjeflåta geht es hoch zum Fjell. Ich komme erstaunlich gut hoch und bin dann sehr angetan von der Landschaft. Wobei ich feststelle, dass sich allmählich die Landschaften in meinem Kopf mischen. Ich würde sagen, hier sehen die Fjells aus wie die Landschaft in Lappland, aber mit größeren Bäumen, mit einem Schuss Schottland.
Der höchste Punkt der Tour ist bei 1172 hm Lustigerweise steht genau an dieser Stelle ein Parkverbotsschild mitten in der Landschaft. Innerlich geht jetzt die Heimreise los.
Dann gibt es eine Abfahrt und ich bin zum ersten Mal glücklos, einen Platz fürs wilde Camping zu finden. Entweder ist es zu steil oder ich werde gesehen. Kurz vor dem Campingplatz gäbe es eine wilde Wiese, aber ich denke mir: 300 Kronen geht. Tja, ich hätte lesen sollen: ab 300 Kronen aufwärts. Ich zahlte dann 375 Kronen.
Aber dafür habe ich deutlich mehr Kilometer gemacht, weil ich dachte, mit diesen ganzen Steigungen mache ich höchstens 60. Am Ende hatte ich 92 km auf dem Tacho. Ich muss die Heringe mit einem großen Stein einschlagen, weil der Boden so ausgetrocknet ist. Die Abendtemperaturen liegen deutlich über 20 Grad.