15. Tag Vrådal – Solstad 90 km

Was soll ich sagen? Der Tag war ein Schindetag. Es gab zwar schöne Bilder, aber es war eine Buckelstrecke. 30, 40 Meter aufwärts, wieder runterrollen. Wieder 30, 40 Meter aufwärts, runterrollen. Dann diese Hitzewelle. Es war anstrengend.

BRouter, meine Navigation, weigert sich eigentlich ganz selten über eine ausgeschilderte Radroute zu routen. Heute hatte BRouter recht. Ich sollte über eine Schleuse des Telemarkkanals. Das heißt, ich muss meine Taschen abnehmen. Über ein klappriges Gestell, das gerade breit genug für mein Fahrrad ist, tragen und dann das Rad darüber schieben. Dann ungefähr 70 bis 80 Höhenmeter einfach hochschieben, weil der Weg so extrem steil ist. Für mich ging es gerade so, wenn man aber bedenkt, dass mittlerweile wesentlich ältere Leute mit schweren E-Bikes unterwegs sind, dann hat man ihnen wirklich ein Riesenproblem eingebrockt.

Die Bilder ansonsten am Tag waren schön und es gab noch eine halbe Katastrophe. In Norwegen sind die Straßen teilweise so schlecht, dass man sich nicht aussuchen kann, wie man am Schlagloch vorbeifährt, sondern über was für ein Schlagloch man fährt. Plötzlich kracht und scheppert es und ich sehe, meine vordere Packtasche hängt ganz komisch an der Gabel dran. Ich halte an, muss den Haken der Packtasche aus den Speichen rauswinden. Stelle fest, der Lowrider hat sich in die Tasche gebohrt. Die zwei Schutzblechhalterungen sind aus ihrer Halterung ausgerissen, total verbogen. Es sieht erstmal wie ein Totalschaden aus, aber glücklicherweise keine Acht. Das mit dem Schutzblech kann ich auch hinbiegen. Über das Loch kommt Klebeband. Also eigentlich Glück im Unglück gehabt. Ich kann eigentlich froh sein, dass es nicht mal ein Sturz war.

(Nachtrag: Zuhause entdecke ich, dass eine Speiche absolut gedehnt wurde und gewechselt werden muss. Sie saß locker.)

Am zweiten Teil des Tages fuhr ich dann auf Schotterstraßen.
Ungewöhnlicherweise wurde bei einem Abschnitt nur der Schotter auf die Straße geworfen, um anscheinend zu erwarten, dass die Autos den Schotter festfahren. Das kenne ich eigentlich aus Norwegen sonst anders. Dort werden eigentlich Erdstraßen ziemlich hochwertig gebaut.

Ich habe schon Sorge, dass die nächsten 30 Kilometer, die aus diesem Waldgebiet führen, mit diesem mürben Schotter sind. Aber dann erreiche ich morgen die Fähre nicht.

Am Abend geht es um den Übernachtungsplatz. Die erste Möglichkeit sieht erstmal vielversprechend aus, aber nach einer Minute stürzen sich Insekten auf mich, die aussehen wie Fliegen und Bienen in einem. Also der Kopf eher wie Fliegen, das Hinterteil ist eher wie das von Bienen eingefärbt. Ich flüchte.

Etwas später, ich bin sehr anspruchslos geworden, gehe ich auf eine Einbuchtung, die es so oft an den Rändern der Straßen von Norwegen gibt. Bleibe da erstmal 5 Minuten stehen, die Ungeheuer kommen nicht. Ich fange an mein Zelt aufzubauen, die Ungeheuer kommen, aber ich merke, wenn ich mit meinem Handtuch herumwirbele, geht es einigermaßen. Alle 5 Minuten wirble ich mit dem Handtuch. Ich habe nämlich jetzt das Problem, ich kann nicht ins Zelt, weil das wird zu heiß. Bleibe ich draußen, werde ich erstochen. Aber ich habe einfach gar nicht mehr die Lust und Kraft, wieder alles einzupacken, weiterzufahren. Ich muss mal schauen, wie ich jetzt hier klarkomme.