20. Tag Randbøl – Løgumkloster 97 km

Gestern Abend konnte ich feststellen, dass in einem Shelter ein Mikroklima herrscht. Normalerweise schlafe ich mit dem Kopf zur hinteren Wand des Shelters, aber dort war es extrem stickig, so dass ich mir überlegte, mein T-Shirt unter Wasser zu tauchen und mich zu kühlen, wie in Frankfurt, wenn die Hitzewelle tobt. Durch einen Zufall stellte ich fest, dass es an der Öffnung des Shelters kühler ist. Also legte ich mich längs der Öffnung und schlafe ein.

In der Nacht schrie oder rief ein Tier minutenlang, ich nehme an, ein Hirsch. Dadurch wachte ich auf und konnte feststellen, dass hier die Nacht wesentlich dunkler ist als weiter nördlich. Am Morgen um 4:00 Uhr, wenn ich normalerweise aufwache, hatte ich Probleme, meine Sachen im Shelter zu erkennen.

Heute zum ersten Mal stimmt mein Fahrradtacho mit dem Wetterbericht überein. Je näher ich Deutschland komme, desto kleiner wird die Differenz zwischen angezeigtem Wert und Wetterbericht.

Die Gegend wird plötzlich furchtbar weit. Es wird optisch eine Ebene, was mich zur Frage veranlasst, ob ich jetzt an den Grenzen der norddeutschen Tiefebene angekommen bin und vielleicht sogar bis Deutschland heute durchrutsche. Einige Kilometer später merke ich, so eben wird es nicht bleiben.

Auf der Karte sehe ich ein WC, das ich ansteuern will. Dies soll ich mit dem Senden einer SMS öffnen. Ich sende eine zweite SMS, aber die Toilette bleibt versperrt.

Im Supermarkt bediene ich mich wieder am Süßigkeitenregal. In Dänemark muss man Plastikhandschuhe anziehen, statt Schäufelchen wie in Norwegen und Schweden zu nutzen. In die Handschuhe am Brötchenregal komme ich problemlos mit meinen Fahrradhandschuhen hinein. Beim Süßigkeitenregal muss ich die Handschuhe ausziehen, die Handschuhe sind kleiner. Anscheinend für Kinder gemacht.

Mir ist heute mal wieder die Abhängigkeit vom Smartphone klar geworden. Ich wollte ein dänisches Shelter bezahlen, aber meine Banking-Software auf dem alten Handy läuft einfach nicht mehr. Also konnte ich meine Kreditkarte für diesen Bezahlvorgang nicht freischalten.

Ob das Verlassen des Hærvej eine gute Entscheidung war, wird sich herausstellen.

Heute habe ich etwas gelernt: Erst den Wasserhahn testen, dann die Flasche ausschütten. Ich war heute an einem Wasserhahn, auf den ich sogar von einer netten Dame extra hingewiesen worden bin. Wasser ausgeschüttet, Wasserhahn angemacht, es kam nichts heraus. Glücklicherweise war 300 Meter weiter eine Toilette, an der ich mich dann bedienen konnte.

Es hatte dann teilweise den Anschein, dass ich einfach Landstraße prügeln muss. Aber wie so gerne bei dänischen Radrouten, man wird plötzlich in etwas Schönes reingeschickt. Mein Thermometer auf dem Fahrrad hat auf der platten Landstraße mittlerweile 36 Grad gemeldet, um dann in dem schönen Waldstück auf 28 Grad zurückzugehen.

Nach dem sehr schönen Waldstück muss ich erst mal wieder auf Schotter fahren. Dabei kann ich eine vielleicht aufschlussreiche Beobachtung machen. Mir kommt ein Traktor entgegen, vorne mit sehr dicken Reifen, hinten mit sehr dicken Doppelreifen. Ich denke mir, es könnte sein, dass jetzt der Weg besser wird. Die Annahme, der Traktor hat den Weg verdichtet.

Aber ich muss feststellen, der Weg wird noch schlechter. Überall da wo die Reifen waren, ist der Boden ganz weich, lose, wenn man will, aufgewühlt. Auf der Asphaltstraße kommen mir noch einige Traktoren entgegen und wenn man sich dann diese Reifen ansieht und dieses Reifenprofil, wird vielleicht klar, warum diese Wege so sind, wie sie sind.

Die Situation um die Shelter ist etwas umständlich und verwirrend. Es gibt auf der OpenStreetMap-Karte Shelter oder Zeltplätze mit Links auf die Naturschutzbehörde, aber die Naturschutzbehörde kennt diese Plätze nicht (mehr). Dann gibt es Plätze, die kennt die Naturschutzbehörde nicht, aber die sind in der Karte. Ich habe vor, einen dieser Plätze anzufahren, weil die anderen Plätze, müsste ich buchen und die sind voll. Die, wo ich zahlen müsste, kann ich nicht zahlen, weil mein Handy zu alt ist.

Kurz vor dem Supermarkt, in dem ich mich für den Abend versorgen will, prangt ein Schild: Klubhus, Rastplads, Shelter. Ich fahre hin. Es stehen zwei Shelter da. Es gibt sogar einen Wasserhahn, leider keine Toilette. Aber dieser Shelterplatz ist nicht in der Karte. Aber sehr neu ist dieser Shelterplatz auch nicht.