Ich fahre einen altbekannten Weg. Es stellt sich ein interessantes Phänomen ein. Normalerweise fahre ich Wege wieder nach vielen, vielen Jahren. Mittlerweile kann ich ja sogar die Jahrzehnte im Plural verwenden.
Ich fand diesen Abschnitt sehr schön, aber ich merke, wie nur die schönen Momente in meiner Erinnerung übrig geblieben sind und ich etwas enttäuscht bin, weil es gibt auch die unschönen Abschnitte. Dieses Phänomen, dass die nicht so schönen oder eher langweiligen, aber vielleicht nicht unangenehmen Abschnitte mich so innerlich leicht empören, kenne ich nicht, wenn der zeitliche Abstand wesentlich größer ist.
Auch hier gibt es wieder Waldweiden, welche in einer Strindberg-Übersetzung von 1920, die ich auf dieser Reise gelesen habe, als „Hag“ bezeichnet werden. Der große Unterschied ist, es gibt keine Felsen wie in Schweden.
Bezüglich Erinnerungen: Den Platz, an dem ich vor zwei Jahren den Schlauch wechseln musste, den erkenne ich sofort wieder. Aber ich habe eine Erinnerung, dass ich davor schon in einiger schöner Landschaft gefahren bin. Die Wahrheit ist, davor musste ich direkt durch ein Industriegebiet.
Der Teilabschnitt, den ich damals so geschätzt habe, er war heute auch wieder sehr schön und ich muss einfach sagen, diese dänischen Wälder, ebenfalls, wenn eine Radroute hindurchführt, sind meistens grandios schön. In mir ist die Frage aufgekeimt, ob die Naturverwaltung von Dänemark manche Wälder einfach nicht wirtschaftlich nutzt, um schöne Wälder für den Tourismus zu haben, und andere Wälder dann einfach gnadenlos nutzt.
Ich bin wieder auf dem Schotterweg, der mich vor zwei Jahren zu einem, ja, Wutanfall gebracht hat. Denn dieser Weg wurde damals neu gemacht, aber im Gegensatz zu Island fuhr hinter der Planierraupe keine Walze hinterher. Der Weg war total weich, man konnte eigentlich gar nicht richtig fahren, sondern musste teilweise schieben. Deswegen war ich sehr gespannt, wie der Weg jetzt ist. Er ist jetzt nicht schlecht, er ist auch nicht gut, aber ich muss herausfinden, warum die Dänen ihre Feldwege so wenig verdichten.
Diese Schotterwege geben mir zu denken. Denn es gibt Bereiche, denen man ansieht, dass sie durch Schatten sehr lange feucht gehalten werden. Die Bereiche sind erstaunlich gut. Sie wirken fast wie die glatten Flächen, die ich aus Schweden und Norwegen kenne. Dann gibt es aber die Bereiche, die der Sonne ausgesetzt sind, und dort ist die Oberschicht sehr weich. Aber ich habe vor Kurzem gelernt, dass man im deutschen Wald bemüht ist, dass die Fahrwege schnell trocknen können. Deswegen soll man teilweise den Randbereich abholzen, damit die Sonne darauf scheinen kann und die Wege nicht kaputtgehen, weil feuchte Wege halten nicht so lange. Mir ist der Widerspruch nicht so ganz verständlich.
Eigentlich könnte der Nachmittag ganz schön gewesen sein, aber es ist heiß. Der Wetterbericht gab Zahlen über 30 Grad an, mein Thermometer zeigte an manchen Stellen 34 Grad an.
Ich fahre nur noch die Kilometer herunter, um an das Shelter zu kommen, in der Hoffnung, dass es einigermaßen kühl und schattig ist.
Am Shelterplatz treffe ich einen Niederländer wieder, den ich schon gestern in Viborg getroffen habe. Er ist 3 Stunden später als ich gestartet, aber kommt 5 Minuten nach mir an. Ich sollte vielleicht doch an meiner Kondition und an meinem Gepäck arbeiten.