17. Tag Hirthals – Hammer Bakker 82 km

Eine der Sachen, die in Schweden und Norwegen mich immer wieder sehr fasziniert haben, ist das Phänomen, wenn ich stehen geblieben bin, dass ich eigentlich nur den Wind und die Vögel gehört habe. Es war besonders schön am ersten Abend in Schweden diese Erfahrung wieder zu haben. Ich setzte mich hin und hörte einfach dem Wind und den Vögeln zu.

Hier in Hirtshals bin ich in einem Waldstück, es geht eine kleine Straße vorbei, auf der aber zu diesen Tageszeiten kein Auto fährt. Trotzdem höre ich dieses Grundrauschen, was ich – ich sage jetzt vorsichtshalber im Rhein Main Gebiet, aber würde es wahrscheinlich auch auf ganz Deutschland ausbreiten – immer und überall höre. Wenn ich irgendwo im Taunus bin, irgendwo im Wald, nicht mal an einer Verkehrsstraße und stehen bleibe – dieses Grundrauschen ist da. Vielleicht ist es hier bei Hirtshals das Meer, das vielleicht höchstens einen halben Kilometer weit weg ist, aber das Grundrauschen ist wieder da.

Je länger ich mit dem Rad unterwegs bin, desto mehr fallen mir zwischen den Ländern Ähnlichkeiten auf. Hier jetzt in Dänemark sehe ich auch wieder diese extreme Eierkarton-Landschaft mit denselben Folgen für die Bewirtschaftung. Das, was ich in Schweden oder Norwegen Waldweide genannt hätte, ist hier auch zu sehen, aber mit wesentlich weniger Bäumen.

Nach einer Woche Norwegen erscheinen mir die dänischen Preise erstaunlich billig. Die letzten zwei Jahre bin ich immer von Schweden nach Dänemark gekommen und habe jedes Mal geschluckt. Ich verfalle in einen Kaufrausch. Ich werde wahrscheinlich sehr fett nach Deutschland kommen.

Die enge Hügeligkeit, die wahrscheinlich durch vormalige Dünen bedingt war, verschwindet allmählich und das Land wellt sich wesentlicher, großzügiger. Aber es entsteht auch allmählich die Agrarmonotonie, die letztendlich dazu geführt hat, dass ich dann mich letztes Jahr in Schweden wohler fühlte.

Ich frage mich, ob das mit dem Ochsenweg wirklich eine gute Idee war. Ich bin ihn zwar schon teilweise vor zwei Jahren gefahren, aber was ich heute hier geboten bekomme, sind extrem schlechte Schotterstraßen. Sogar für dänische Verhältnisse. Es geht extrem langsam voran. Es könnte sogar sein, dass ich langsamer vorankomme als in Norwegen trotz der ganzen Steigung. Und ich frage mich gerade auch, ob der Teilabschnitt, den ich kenne und noch fahren will, ob der vielleicht mittlerweile ähnlich heruntergekommen ist, weil diese Mürbheit der Oberfläche vielleicht auch was mit der Trockenheit zu tun hat.

Auf diesem Weg treffe ich ein älteres Ehepaar, sie mit E-Bike, er mit Bio-Rad und Anhänger. Er schiebt. Sie fährt. Sie meinen, es wäre eine sehr harte Tour. Mir wird das irgendwann zu doof. Ich frage meinen Router nach einer anderen Strecke. Die eigentliche Strecke als solche durch diese Wälder und Weiden ist sehr schön. Die Alternative über das platte Land ist extrem langweilig. Also diese Wegführung hat schon einen Sinn.

Am Supermarkt, in welchem ich mein Abendessen einkaufe, treffe ich ein Mädchen, welches von Fredrikshavn gestartet ist, also den ganzen Weg gefahren ist. Und wir sind uns einig: Eigentlich wäre es ja schön, aber man ist so auf den Weg konzentriert, sodass man eigentlich die Schönheit nicht mitbekommt.

Ich fahre zu dem geplanten Shelterplatz und teste, wie lange ich bis zu dem Platz brauche, sobald der Schotter beginnt. Zwei Kilometer, 15 Minuten. Damit steht mein Entschluss: Der Ochsenweg Dänemark ist für mich gestorben, ich suche mir jetzt einen anderen Weg nach Deutschland.