03. Tag Klåverödsdammen – Björkelund 120 km

Am Morgen wache ich auf und stelle verblüfft fest, dass ich leicht friere. Es hat 18 Grad. Etwas ungewöhnlich für mich, wenn ich auf Radreisen bin, dass ich solche Temperaturen als zu kühl empfinde.

Der Skåneleden schenkt mir einige schöne Wälder. Das Faszinierende ist eigentlich, ich bin auf 100 Meter Höhe, aber durch die Vegetation entstehen teilweise Eindrücke, die mich an höheres Mittelgebirge oder auch an Abschnitte in den Alpen erinnern. Die Wälder sind verblüffend oft sehr offen und nicht, wie von mir in Schweden gewohnt eng. Teilweise ist es eine wahre Freude, in diese Wälder hineinzusehen. Und dann bekomme ich irgendwann meine Erdstraße, die ich so in Schweden schätze. Gut zu fahren, landschaftlich angenehm.

Die schöne Erdstraße hat nur einen Haken: Ich soll plötzlich in einen Trampelpfad einbiegen, wo eigentlich eine Straße auf der Karte eingezeichnet ist. Deswegen muss ich einen Umweg fahren.

Apropos Mittelgebirge: Mein Tacho meint plötzlich, dass ich innerhalb von 40 km ungefähr 400 Höhenmeter gefahren bin. Was mich etwas verblüfft, weil eigentlich nach meinen Planungen die durchschnittliche Höhenmeterzahl auf 100 km in Schweden 500 hm sein sollen. Ich hoffe, dass dies ein Ausreißer ist, aber ich befürchte, der schwedische Eierkarton wird in den digitalen Höhenmodellen nicht so richtig berücksichtigt.

Allmählich verlasse ich Skåne und es bleibt weiterhin erstaunlich ruhig. Teilweise stellen sich die Gefühle ein, die ich bei meiner Cykelspåret-Tour hatte. Anscheinend gibt es das ruhige Schweden doch noch.

Am Nachmittag verliere ich so allmählich das positive Verhältnis zum Wald. Ich bin mir nicht sicher, ob es daran liegt, dass der Himmel zuzieht und die Farben nicht so sind wie am Vormittag, oder weil der Wald wieder wesentlich geschlossener wird – sehr viel Wald und wenige Häuser. Der Waldtypus, der es mir am Vormittag so angetan hat – dieser Typus Wald – macht mich am Nachmittag nervös.

Am Vormittag glaubte ich, man könne darin problemlos ein Zelt aufschlagen, am Nachmittag merke ich, mit all diesen abgehackten Baumstämmen und Steinen könnte das vielleicht sehr schwierig werden.

Diese Tour scheint eine Kaputt-Geh-Tour zu sein. Meine Sportuhr verweigert auch den Dienst in Form, dass sie nichts mehr anzeigt, und die Schaltung springt immer mehr. Als ich mir am Abend beim Shelter das Problem anschaue, scheint es so zu sein, dass ein Kettengelenk aus irgendwelchen Gründen klemmt. Ich kann es mit Öl nicht beweglich machen. Deswegen ersetze ich das Glied durch ein Kettenschloss. Leider wird das Gelenk dadurch nicht beweglicher. Also kürze ich die Kette um dieses Glied. Offiziell ist damit die Kette zu kurz. Ich kann nur hoffen, dass ich irgendwie zu einem Radladen komme, wo ich mir eine Kette kaufen kann.

Die Gegend ist erstaunlich leer. Auf 100 km gibt es keinen Supermarkt.

Kirchen waren bisher in Schweden immer ein verlässlicher Ort, um an Wasser zu kommen. Gestern war ich an einer Kirche, bei der es kein Wasser gab, weil die Gräber, wenn ich es recht entsinne, die neuesten Gräber von 1920 bis 1930 waren. Heute kam ich an eine Kirche, bei der heute noch Leute begraben werden, aber man verwendet aufgefangenes Regenwasser. Die nächste Kirche lieferte dann aber das Wasser, was ich brauchte.