11. Tag Rollag – Smådøl Motorsenter 65 km

Am Morgen wieder mein Blick auf das Thermometer meines Rades, es zeigt 1° an. Der Wetterbericht meint wieder, es wären 4° wärmer. Ich weiß nicht, was ich daraus machen soll.

Nach wenigen Kilometern sehe ich Fuchs Nummer sechs die Straße kreuzen. Vor Veggli sehe ich ein Schild: „Kreuzende Schneescooter“. Aus Lappland kenne ich diese Schilder haufenweise und auch sehr viele Spuren. Dort ist es ziemlich offenkundig ein Verkehrsmittel. Ob es hier jetzt ein Sportmittel ist oder ein Verkehrsmittel, lässt sich nicht sagen.

Nach Höhenprofil sollen mir eigentlich so 20 km, die eben sind, spendiert werden. Es ist aber ein permanentes, huggeliges Auf und Ab und extrem starker Gegenwind. Was in dem Zusammenhang besonders verdrießt, ist die aufgegebene Bahnlinie, die neben der Straße verläuft. Man könnte doch für den feinen Herrn Fahrradtouristen – also mir – einen Bahnradweg daraus bauen.

In Veggli verfahre ich mich natürlich und merke das erst, nachdem ich mich ungefähr 150 Höhenmeter hochgequält habe. Wobei mir für heute sowieso schon 1600 Höhenmeter angesagt worden sind. Gestern und heute bekomme ich den Eindruck, dass es auch eine Art Waldsterben in Norwegen gibt, vielleicht sogar Fichtensterben, was mich einigermaßen wundert, weil diese Bäume stehen an Abhängen, von denen ich glaube, an denen baut kein Mensch freiwillig Fichten an.

Ich muss die 40 entlangfahren. Es ist zwar jetzt kein schlimmer Verkehr, aber es ist halt der Verkehr, wo ich nicht mal kurz an die andere Straßenseite fahre, um Fotos zu machen. Irgendwann fängt es zum Regnen an. Ich stelle mich in einem Müllhäuschen unter, was aber genügend Belüftung hat, dass es nicht stinkt. Bei Rødberg hängt ein Schild, dass das Dagalifjell offen ist. Gut, dass ich es lese, weil ehrlich gesagt, dass man da vielleicht nachschauen sollte, auf die Idee bin ich im Juni nicht gekommen.

Man spendiert mir eine Fahrt auf einer norwegischen Erdstraße, wobei ich sagen muss, diese Erdstraße hat nicht ganz die Qualität, die ich sonst aus Norwegen kenne. Bei der letzten Kirche, die auch die letzte Kirche vor meinem ins Auge gefassten Übernachtungsplätz ist, vergesse ich Wasser zu tanken. Aber ich finde endlich mal einen kleinen zugänglichen Wasserfall, wo ich dann doch Wasser tanken kann. Wobei Wasserfall ist zu viel gesagt. Es ist ein Rinnsal über ein paar Felsen, das dann unten durch die Straße durchläuft.

Ich kämpfe gerade damit, wo ich übernachten soll. Von der Zeit her käme ich sehr spät im Fjäll an. Der Wetterbericht verspricht, dass es dann da oben 4° wird. Jetzt aber nach diesem Thermometersperenzchen, die ich die letzten paar Tage hatte, hieß das 0°. Das würde sich vielleicht verkraften lassen, aber am nächsten Morgen bei dem Wind, der teilweise hier herrscht, bei 0° zu fahren, also ich weiß nicht. Da ist das Übernachten weniger das Problem, sondern das Fahren am Morgen. Es gibt noch irgendwo eine Motorrennbahn bei 600 m. Aber ich befürchte, das wird furchtbar laut.

Die Rennbahn, von der ich eine ziemliche Lärmbelästigung erwartet habe, denn auf den Satellitenbildern stehen unendlich viele Autos da, ist absolut ruhig und es scheint sogar, dass sie aufgegeben ist. Also kümmere ich mich um mein Fahrrad, will die Plane ausbreiten, damit ich ja keine Teile verliere und sehe hinter mir eine Tür, die nicht verschlossen ist. Ich öffne sie und finde Sitzbänke, abgeschossene Patronen, Mülleimer, Tische. So sage ich mir: „Da repariere ich mein Rad.“ Ich zerlege meinen Freilauf bzw. ich reinige ihn, weil er merkwürdig geknackt hat beim Bergauffahren. Ich hoffe, ich habe das Richtige getan und entlüfte meine Bremse.

Nachtrag: Zuhause angekommen, will ich mir das mit dem Freilauf genauer ansehen. Als ich den Zahnkranz abziehe, kommt ein Achsstummel mit. Es scheint, dass ich einen Teil der Tour mit einer gebrochenen Achse gefahren bin. Das Knacken die Steigung hoch scheint der Beginn des Brechens gewesen zu sein.