Am Morgen wache ich auf. Der Himmel ist zwar bedeckt, aber ich sehe einige blaue Flecken. Ich baue mein Zelt ab. Als ich fast fertig bin, kommt dann ein kurzer Schauer herab. Ich bin sehr froh, dass es nur ein kurzer Schauer ist. Ich dachte, es geht jetzt genauso weiter wie gestern. Stundenlang!
Eigentlich wurde es mir irgendwann mal kolportiert, dass man in Skandinavien zur Weihnachtszeit einzelne Kerzen ins Fenster stellt oder Lichter. Heute, weil es bedeckt ist und so dunkel, habe ich den Eindruck, man scheint dies das ganze Jahr hindurch zu machen.
Heute huscht ein Fuchs vom Straßenrand in den Wald. Als mein Blick ihm folgt, sehe ich, wie ein Reh aus dem Haferfeld seinen Kopf streckt.
Weil ich das Radroutensystem verlasse, werde ich natürlich wieder auf Erdstraßen geführt. Diese Erdstraßen sind bei Weitem nicht in der Qualität, wie ich sie bisher kennengelernt habe. Das soll nicht heißen, dass sie schlecht sind. Sie sind immer noch besser als die dänischen Schotterstraßen. Aber sie sind jetzt wie ein guter deutscher Feldweg, der gerade anfängt schlecht zu werden. Aber es gibt eine interessante Sache. An einer dieser Erdstraßen habe ich mehrere Sandkisten gesehen. Ich nehme an, für den Winter, wenn der Schnee dick ist, um die Schneefläche zu streuen.
Es gibt eine Sache, die jetzt so allmählich auffällt. Ich komme jetzt gerade an einem See vorbei. Von der Straße würde ich sagen, vom Straßenrand sind es 1 Meter zum See, aber dazwischen sind Bäume und es gibt eine Stelle, wo man vielleicht an den See ran könnte. Aber eigentlich auch nicht so richtig, weil man höchstwahrscheinlich abrutschen würde. Irgendwie sind die Seen in Schweden dazu da, dass man an ihnen vorbeifährt.
Seit dem Supermarkt und meinem Frühstück ist es eher langweilig geworden. Es geht sehr viel durch Wälder, ziemlich auf und ab. Die Häuser werden weniger am Wegesrand. Gegen Mittag fahre ich durch ein großes Tal und dann an einem großen Tal vorbei. Also für schwedische Verhältnisse oder die mir bekannten schwedischen Verhältnisse sind es ziemlich weite Täler.
Ich habe bisher wenige Hausbaustellen in Skandinavien gesehen. Heute sehe ich etwas Ungewohntes: Es steht nur das Gerüst da und das Fundament. Ich nehme an, so wird erst mal das Grundgerüst des Holzhauses gebaut. Dann kommen die Latten dran.
Von meiner Nordkap-Reise weiß ich ja, dass Autos verschrottet werden, indem sie einfach irgendwo stehengelassen werden. Meistens zwar auf dem eigenen Grundstück, aber die stehen einfach da und verfallen. Aber der Wohnwagen im See toppt alles.
Ich habe von meiner Planung für heute ungefähr 900 Höhenmeter angesagt bekommen. Momentan ist es aber eher so, dass es doch noch sehr flach bleibt. Ich bin gespannt, was da noch auf mich zukommt.
Jetzt hatte ich hier einen Wegabschnitt, wo extrem wenig gemäht wurde. Es war vom Anblick sehr angenehm, um dann auf eine Straße zu kommen, wo ich dann sage: typisch Norden. Nämlich, wo der Teer eine Art Spurrille hat, weil auf den Teer noch mal Teer aufgetragen worden ist.
Der Nachmittag war hart. Ich bin viele Erdstraßen gefahren. Obwohl ich eigentlich Erdstraßen mag, müssen sie den schwedischen Eierkarton wirklich nicht so brutal vorführen? Bzw. es gab kurz einen Moment, da war die Erdstraße eine Felsstraße. Der Fels ist so eben, sodass man die Leute einfach darüber fahren lassen kann.
Andererseits waren die Straßen auch nicht in der Qualität, wie ich sie sonst kenne.
Ich suche auch schon den ganzen Nachmittag Wasser, aber ich finde keins. Keine Kirche, kein Friedhof, an einem Badeplatz ist der Wasserhahn gesperrt. Irgendwann, irgendwo am Wegesrand, wo eigentlich kaum Häuser sind, werde ich plötzlich von einer jüngeren Frau angesprochen, die sogar extra wartet, bis ich vorbeikomme. Und es stellt sich heraus, dass sie auch eine Radreise vor Kurzem gemacht hat. Und sie fragt, ob ich was brauche, und ich: „Ja, Wasser!“ Mein Wasserproblem ist gelöst.