Cykelspåret (Ystad – Stockholm – Harparanda) – Radweggestaltung

Aus verschiedenen Fragen im Internet entnehme ich, dass das Schwedenbild vieler von den Wanderberichten im Norden geprägt ist. Wer den Cykelspåret nutzt wird, sich vielleicht enttäuscht sehen.

Der Weg führt eigentlich immer an irgendwelchen Verkehrsstraßen  entlang. Den für Autos gesperrten Wirtschaftsweg – wie in Deutschland – habe ich nie erlebt. Aber viele Straßen waren ähnlich ruhig und unbefahren.

Erfreulich fand ich, dass bei Städten mir das behutsam Geschlängele durch die Stadt, damit ich sie ja sehe bzw. nicht mit dem bösen Autoverkehr in Berührung komme, erspart geblieben ist. Man führte mich – so schien es mir – schnellst möglich durch die Städte und hat auch keine Scheu Ein- und Ausfallstraßen zu nutzen.

Ein Teil der Strecke verläuft auch auf Erdstraßen. Diese Erdstraßen waren auch nach deftigem Regen nicht irgendwie matschig, sonden immer noch fest. Das galt bis Stockholm. Danach im Jahr 2010 war die Qualität – ich hoffe auf Grund der Trockenheit – deutlich schlechter. Die Oberflächen waren sehr häufig lose. Ich bin trotzdem mit meinen 35er Reifen klar gekommen.

Was einem klar sein sollte, je mehr man nach Norden kommt, desto länger sind die Schotterabschnitte, teilweise bis zu 30 km und man fährt immer mehr und länger durch Wald. 30 Kilometer durch gleichförmigen Wald auf Schotter, das löst nicht unbedingt Begeisterung aus. Weiter der Verkehr nimmt gegen Norden zu.

Dazu kommt, Schweden ändert sich auf dieser langen Strecke kaum. Wenn es regionale Unterschiede gibt, dann fallen sie kaum auf. Normal finde ich, dass alle 400 Kilometer in eine Richtung sich viele Dinge grundlegend ändern, dass passiert auf diesem Weg kaum. Das tausendste Holzhäuschen ist nicht mehr idyllisch, sondern eher normal und langweilig. Soll heißen, ich empfand gegen Ende hin einen gewissen Überdruss und könnte mir vorstellen, anderen könnte es ähnlich gehen.

Beschilderung

Malmö – Stockholm

Die Beschilderung war gut. Aber das System war gewöhnungsbedürftig.  Erst als ich das System kapiert hatte, erwies sich die Beschilderung bis auf vier Stellen als sehr zuverlässig.

Hie und da verlief der Sverigeleden oder die Kustenlinjen gemeinsam mit dem Cykelspåret. Die anderen zwei Routen verbrauchten vier Schilder, wo der Cykelspåret nur eins nutze.

Beim Cykelspåret stehen eigentlich nur Schilder, wenn man die Straße verlassen soll. Soll z.B. heißen, wenn die Hauptstraße abbiegt, steht kein Schild, außer man soll in die Nebenstraße geradeaus.

Nachteil der Sache ist, man hat keine Anhaltspunkte, ob man sich verfahren hat. Es gab Streckenabschnitte von 15 km ohne ein einziges Schild des Cykelspåret. Also Karte ist Pflicht. Aber dann funktioniert das ganze System wunderbar.

Stockholm -Harparanda

Nach Norden hin, lässt die Zuverlässigkeit und Stringenz der Beschilderung kräftig nach, teilweise führt sie einen in die Irre. In den großen Städten wurde ziemlich häufig Straßenbauarbeiten durchgeführt, die die Route durchschnitten ohne das es eine Umleitung gab bzw. es fehlen dann deswegen die Schilder. Klingt teilweise dramatsisch, ist es aber nicht. Man muss auf die richtige Ausfallstraße kommen, was meistens sehr leicht ist. Nur in Gävele wäre ich beinahe trotz GPS verzweifelt.

4 Kommentare bei „Cykelspåret (Ystad – Stockholm – Harparanda) – Radweggestaltung“

  1. Hallo,

    diesen Radweg haben wir beim letzen Schwedenurlaub auch schon benutzt. Ich stimme Dir 100% zu, dass die Beschilderung stark gewöhnungsbedürftig ist. Aber jetzt wissen wir ja, wie es läuft.

    Viele Grüße
    Jan

  2. Nicht zu vergessen: Auch wenn man auf normalen Straßen fährt, sind die Schweden rücksichtsvolle Autofahrer. Keine Spur von der aus Deutschland gewohnten Raserei und Agressivität. Ich habe mich auch auf Autostraßen in Schweden wohlgefühlt.

  3. Christoph Irrgang sagt: Antworten

    Hallo Stephan, habe den Bericht über Cykelsparet und auch die anderen mit großem Interesse gelesen.
    Bin dieses Jahr vom 5.4. bis 22.4. die Strecke Trelleborg-Haparanda-Kemi gefahren. Die Finnen transportieren Räder sehr komfortabel im Zug. Gestartet in HH, dann Fähre und retour mit Zug nach Helsinki und dann Fähre nach HH. Mich hat keine Mücke gesehen. Aber Cafés, vandrarheime und Campingplätze sind zumeist noch geschlossen; hat Hotelrechnungen erzeugt. Bis Stockholm hatte ich viel Gegenwind mit Dauerregen, dann gutes Wetter, kalt eben. Im Norden war noch viel Eis und Schnee. Die Flächen abseits der Straßen waren wg. Schnee und Schmelzwasser nicht zu betreten. 2255 km in Schweden waren eine tolle Tour, bin topfit und entspannt zurückgekommen. Trotz kleiner Detailprobleme (Kette und Ritzel nach 1500 km durchgefahren) habe ich eigentlich jeden km genossen; auch die Holz-Monokultur längs des Weges hat mich nicht ärgern können. Wildnis sieht aber anders aus. Toll die langen, auch lang ansteigenden Strecken im Norden: meditatives Fahren. Hatte eine ältere Cykelsparet-Karte, gab manche Abweichung(konnte wg. Termin nicht auf aktuelle karte warten). Navigiere aber gerne mit Karte und hab nur einmal den Überblick verloren (und 20 km). Total unmöglich sind die ausgebauten Schnellstraßen ohne jeden Ausweichraum. Echt gefährlich, wenn ein „road-train“ überholt. Man muss auf dem Rand mit höchster Konzentration fahren, wenn das bepackte Rad abrutscht, kann man sich auch schwer hinpacken. Wer dieses neue Straßen-Design gebaut hat, war kein Radfahrer und hat sich mit den Edelstahl-Bügeln und Stahlseilen eine goldene Nase verdient. Manche Teilstrecke muss man dort fahren, bzw. ist die Umfahrung zu uneffektiv. Konsequenterweise sollten die Schweden die Nutzung mit dem Rad verbieten. Und echte Alternativen anbieten. Die alten schwedischen Fernstraßen mit den breiten Seitenstreifen sind dagegen ein Traum!! Manche „Schotterstraße“ war noch vereist oder vom Schmelzwasser total aufgeweicht, brauchte meinen ersten Gang und viel Kraft. Bei einigen bergauf-Strecken auf Schotterstr musste ich dann schieben, bzw. den Teil der Straße finden, der mehr Sonne abbekommt und damit einen Ticken trockener ist. Kälte macht mir nicht so viel aus, aber die Mücken! Plane nächste Tour weiter nach Norden (vielleicht Kemi-Kirkenes-Alta-Umea?) und will wieder die Zeit zwischen Winter und Mücken abpassen. Kann aber die Versorgungslage dort und dann nicht so recht einschätzen; hast Du Tipps? Hoffe wieder auf Wetter-Glück wie dieses Jahr, weiss aber auch, daß ich auch noch Schnee und Kälte auf die Mütze kriegen kann.
    Beste Grüße
    Christoph Irrgang

    1. Stephan Zitzmann sagt: Antworten

      Lies noch die anderen Berichte aus dem hohen Norden und so manches dürfte beantwortet sein. In Nordnorwegen gibt es ca. alle 100 – 150 km einen Supermarkt. Aber je nach Streckenführung können es auch mal 300km ohne Supermarkt werden. Weil der Abzweig zum Supermarkt dir 50 km zusätzlich einbringt. Deswegen fand ich ganz praktisch, dass ich GPS und mobiles Internet hatte. Damit konnte ich wunderbar planen wie viel ich einkaufen muss. Dabei können Öffnungszeiten einen entscheidenden Faktor spielen.

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