2. Tag: Luleå – Morjärv (125.15 km)

Ich fahre zu erst Richtung Boden. Teilweise ist die Strecke sehr schön, teilweise aber herrscht ziemlicher Betrieb.

Diesem Betrieb, glaube ich, wäre ich entkommen, wenn ich nicht 100 Meter vor einem Fähranleger gemerkt hätte, dass ich mich verfahren habe. Sonst wäre ich auf der anderen Seite des Luleå Älv entlang gefahren, die auf der Karte ruhiger wirkt.

In Boden kaufe ich ein und besorge Gas für meinen Kocher.

Vor dem ICA steht ein Bettler, der auf einem Akkordeon mit fehlenden Tasten immer wieder denselben Melodiefetzen spielt. Ein wenig weiter am COOP steht noch ein Bettler. Die gleiche Ausstattung. Er spielt dafür einen anderen Melodiefetzen.

Im Intersport sehe ich zum ersten Mal bewusst und real einen Mückenhut. Hier in mehrfacher Ausgabe. Ich hoffe, das ist kein böses Omen.

Es ist schon fast heiß. Die Schweden werfen sich in ihre Sommerklamotten, vermutlich damit ihre Körper möglichst viel Sonne abbekommen. Deswegen wirkt Boden ein wenig wie ein Urlaubsort.

Ich bin fasziniert von den Unterschieden zwischen der letzen Fahrt und diesem Jahr. Ich fahre vielleicht nur 30 km versetzt zu meiner alten Route. Es gibt wesentlich mehr Verkehr. Der Wald ist nicht mehr ganz so erdrückend wie letztes Jahr auf den Erdstraßen. Die Schneisen, die die Straßen in den Wald schlagen, sind breiter. Auch bieten sich mehr Plätze zum Zeltaufstellen an.

Der Wechsel zwischen Wald und Nicht-Wald ist teilweise ein Wechsel zwischen zwei Welten. Die Häuser Felder und Wiesen besitzen eine gewisse Lieblichkeit und laden zum Bleiben ein. Der Wald treibt einen weiter, weil man nicht stehen bleiben will.

Mir begegnen zweimal Rentiere. Beide Male Mutter mit Kalb. Beides Mal verhalten sich die Tiere ungewöhnlich gleich. Eigentlich würde man ja erwarten, dass die Tiere sofort flüchten. Nein, sie bleiben am Straßenrand stehen und mustern mich. Es wirkt so, als würden sie wie Menschen schauen, ob man die Straße queren kann und darf.

Beim zweiten Mal ahne ich, dass ich diese Tiere photographieren kann. Mein Objektivwechsel stört sie nicht. Nein, er scheint sie zu interessieren.

Eigentlich habe ich mir einen Wasserfilter gekauft. Als ich Wasser aus kleinen Bächen entnehme, verzichte ich auf den Filter.

Diese Leichtigkeit macht mir aber auch meine Verantwortung klar, ja keinen Dreck in das Wasser kommen zu lassen.

In Morjärv kann man beim Folkhuset campen. Weil die eigentlichen sanitären Anlaqen renoviert werden, nutzt man momentan die Einrichtungen im Folkhuset. Man gibt mir den Schlüssel für den ganzen Gebäudekomplex ohne meinen Namen zu kennen.