10. Tag: Garajokkmoen søndre – Skaidisletta (114.55km)

Die Windwerte machen mich besorgt. Es soll in der der Nacht Wind bis zur Windstärke 7 gegeben haben. Doch so richtig merke ich es nicht.

Ich fahre nach Alta, um mich zu versorgen. Ich fahre durch eine Gegend, die ich am ehesten mit dem Wort alpin verbinden würde. Die Nadelbäume haben wieder die Herrschaft im Landschaftsbild übernommen. Doch der Wind treibt eine Brise Meeresgeruch her.

Als ich den REMA-Markt gehe, stechen mir als Erstes Paletten von 5-Liter und 10-Literflaschen Mineralwasser ins Auge. Ein Bild, was ich aus Südeuropa kenne. Warum plötzlich hier. Ist man doch nicht so zufrieden, mit dem Wasser aus Flüssen Bächen und Seen entnommenen Wasser.

Mein Fläschchen Djungleolja ist leer. Da ich Gas im Intersport kaufe, frage ich dort, weil in Schweden gab es Djungleolja in jeder Filiale. In Norwegen nicht.

Aber es gibt etwas anderes, was die schwedischen Filialen nicht hatten. Flüssigbrennstoff. Polar Fuel. Ich bin mir nicht sicher, ob es sich um Kocherbenzin handelt. Denn es stand darauf, es wäre für Multifuelkocher.

Im ICA gibt es auch kein Djungelojla, aber Autan. Ich nehme es und denke mir, wenn es kein Djungelojla gibt, dann ist es nicht notwendig. Meine erste Rast macht klar ein Trugschluss.

Alta hat eine wunderbare Bucht. Ich finde aber nur Industrie und Gewerbe am Strandveijen, aber nichts zum Vergnügen. Ich erkläre es mir durch die Kleinheit von Alta. Aber Alta ist riesig, verglichen zu den Ortschaften der letzten Tage.

Die Intersportfiliale verkauft auch Fahrräder und Zubehör. Dann sehe ich noch ein weiteres Sportgeschäft, das unter anderem Fahrräder verkauft. Mich interessiert die Ersatzteillage. Ich sehe das übliche Shimanozeugs bei den Gangschaltungen. Bei den Bremsen Shimano und Trekko. Scheiben und Felgenbremsen. Aber keine einzige Magura.

Dann kommt endlich das, wofür Norwegen bekannt ist. Lange Steigungen, die mich im Laufe des Nachmittags in eine faszinierende Hochebene führen. Diese Ebene ist durchzogen von Zäunen der Rentierzüchter. In weiten Abständen stehen kleine Häuser in der Landschaft. Obwohl der E6 einer Überlandleitung folgt, sind die Häuser ohne Strom. Wochenendhäuser oder Behausungen der Samen?

Aber ich mache meine Bekanntschaft mit dem Wind. John hatte mit vielem nicht recht, aber mit diesem Satz schon. „Wenn du stehst, merkst Du den Wind kaum. Aber wenn er dir beim Fahren entgegenkommt, dann macht er dich fertig.“

Heute lerne ich etwas Neues. Wird es kühl und windig, bist du dem Gipfel nah.

Obwohl ich teilweise in kurzer Kleidung fahre, liegen Schneereste in nächster Nähe zu mir herum. Auch heute wieder. Ich weiß nicht wie anziehen. Die Luft ist kühl, die Sonne sticht. Die Nase läuft teilweise wie im Spätherbst, aber ich schwitze unter meiner Jacke.

Es wird Abend. Zeltplätze gab es im Überfluss. Plötzlich gibt es keine mehr. Ich folge einem Flusstal, dessen Ufer mit Birken bewachsen sind. Die meisten kahl. Es wirkt etwas gespenstisch. Die wenigen Wiesen sind sumpfig. Sehr spät finde ich eine Aufstellmöglichkeit an einem Parkplatz. Beim Zeltaufbau bilden sich Dampfwölckchen vor meinem Mund.