16. Tag Talspeere Pirk – Mannichswalde 80km

Ein ekliger Tag. Als ich losfahre, fängt der Regen an.

Erstmal streikt meine Bremse. Langer Fummelei Ergebnis, sie funktioniert. Aber nach der Reise verbau ich eine neue Bremse.

Heute bekomme ich meinen soziologischen Blick. Ähnlich wie damals nach der Wende.

Nachdem ich letztes Jahr weiter nördlich in der ehemaligen DDR war und ich den nach der Wende den nördlicheren Teil als den kaputteren fand, bin ich verblüfft, dass jetzt hier so viele Häuser kaputt und zerfallen sind.

In Greiz gibt es in einem Viertel aus lauter Mietskasernen haufenweise Parkplätze. Kein Auto fährt. Extreme Stille.

Ich frage eine plaudernde Frauengruppe, was los sei. Die Reaktion: „Die sind alle drüben. Seit der Wende wird es immer schlimmer.“

Ich habe noch nie so eine leere Innenstadt gesehen.

Als ich einkaufen gehe, erzeugen die Menschen durch ihre Kleidung in mir dasselbe Distanzgefühl wie damals nach der Wende.

Mir dämmert warum PEGIDA in Sachsen entstanden sein könnte.

Um mir einen bequemen Tag zu machen, entscheide ich mich für den Elsterradweg. Ein Fehler!

Von der Elster sieht man wenig. Elsterhöhenradweg wäre das bessere Wort. Es gibt extreme Steigungen und gefährliche Trampelpfade für ein bepacktes Rad.

Als ich Rast mache, fährt ein Reiseradler an mir vorbei und brüllt in die Gegend: „Es ist zum Kotzen!“ Ich bin mir ganz sicher, er meint die Routenführung des Elsterradweges.

Irgendwann fliehe ich vor dem Elsterradweg und suche angenervt den nächsten CP.