8. Tag: Breivikeidet – Talvik (117.78km)

Wieder ein paar Rentiere gesehen. Aber sie haben nicht den Häufigkeitswert wie vor zwei Jahren. Ich denke an diese Sendung des SWR und frage mich, ob der Autor zur falschen Zeit im falschen Gebiet war. Mir sind die meisten Rentiere vor zwei Jahren, um diese Zeit wesentlich weiter südlich in Schweden begegnet.

Als ich 400 hm erklommen habe, sehe ich einen Fjord von wunderbarer Schönheit. Es gibt eine Stelle, wo man einen Reisebus abstellen könnte. Es kommt ein Bus und ich erwarte eigentlich, dass der Bus anhält und die Leute sich diese Schönheit betrachten. Der Bus fährt mit unverminderter Geschwindigkeit weiter. In diesem Moment wird mir klar, wie wenig ich diese Art des Reisens verstehe. Ebenso die Wohnmobile.

Die Wohnmobile fahren, solange das Wetter gut ist, langsamer durch die Gegend. Sobald es regnet, brettern sie an mir vorbei wie Alltagsverkehr.

Am Weg sehe ich ein Schild mit einem Plan, wo es Campingplätze gibt. Mehr als die Hälfte der Plätze ist ausgestrichen. Andererseits hat die Straßenbaubehörde an vielen Rastplätzen Hinweisschilder angebracht, diese Plätze wären nicht zum Campen da.

Als ich nach dem Einkaufen meinen Treibstoff verpacke, sehe ich mir den Briefkasten vor meiner Nase genauer an und frage mich, warum Norwegen dort mit zwei Farben aufgeteilt wird. Rot sind die Gebiete, in die die Briefe nur einen Tag brauchen, die anderen sind blau. Das nördliche Nordnorwegen ist rot und die Umgebung, man höre und staue, von Oslo. Das restliche Norwegen muss länger warten.

Ich war mir bisher nie ganz sicher, ob es ein für Elche und Rentiere jeweils ein Extrawarnschild gibt oder ob diese zwei Schilder einfach nach Vorhandensein verwendet werden. Seit heute weiß ich, jedes Tier hat sein extra Schild. Ich komme an mehreren Stellen vorbei, wo beide Schilder untereinander hängen. Zum Glück wird nicht noch auch von den Schafen gewarnt. Ich stelle mir Verkehrsschilderpfosten als Liste vor.

Meine Schalthebelsuche läuft noch. Ich habe endlich die zündende Idee und suche nach „sykkelverksted Alta“, weil es dort eine Fahrradwerkstatt geben soll.

Dadurch bemerke ich, dass ich das norwegische Adresssystem nicht verstehe oder meine Navigationsapp. Mich wundert es bei dem Seltenheitswert von Fahrradwerkstätten hier in der Gegend nicht, dass die Werkstatt schon 60 km vor Alta sein soll. Da die Leute lange Wege fahren müssen, ist es doch egal, wohin sie fahren.

Ich lande in einem kleinen Dorf mit vielleicht 50 Häusern und kein Mensch auf der Straße, bis auf den alten Mann am Ortseingang. Der wundert sich über meine Frage und schickt mich nach Alta.

Irgendwann muss ich feststellen, dass bei meinem Nabendynamoladegerät am Akkupack ein Kabel gebrochen ist. Dies bedeutet eigentlich den absoluten elektronischen Versorgungsgau.

Bei dem Reparaturversuch im Zelt reiße ich auch noch das Kabel vom Akkupack ab. Ich muss sagen ich melde mich als Genie zur Rettung vor der eigenen Dummheit an. Mir Klebeband bekomme ich eine Konstruktion hin, die das System wieder laufen lässt.