4. Tag: Hov – Stokmarknes (124.2 km)

Ich fahre in meiner vollen Herbstmontur los, aber ohne Regenhose und Gamaschen. Das Regenzeugs brauche ich den ganzen Tag nicht.

Auf den ersten Kilometer sehe ich wieder ein Trockenfischgestänge. Entweder habe ich das gestern übersehen oder es ist nur ein Spleen des hiesigen Fischers. Es hängt ein toter Vogel über den Fischen. Zwei Ständer weiter der gleiche Anblick. Ist das Aberglaube oder hilft das ernsthaft?

Weil ein paar Möwen herumfliegen, frage ich mich, vergreifen diese sich nicht an dem Stockfisch. Warum futtern die Möwen die Ständer nicht leer?

Heute ist es ruhiger auf der E10. Wie letztes Jahr frage ich mich, ob es möglich ist, anhand der Fahrgeräusche festzustellen, ob der Verkehr eher touristisch ist oder Alltagsverkehr.

Was mich schon gestern fasziniert hat, ist die Vegetation. Abgesehn davon, dass der Restschnee schon bei 100 Metern liegt, sind in manchen Gebieten die Bäume durchgehend nicht höher als brusthoch. Im nächsten Fjord sind die Bäume doppelt so groß wie ich.

Ich erlebe Landschaften, die ich teilweise bisher kurz vor dem Nordkap erlebt habe. Insbesondere die Minibirkenwälder. Anderseits erlebe ich Vegetationen, wären die Bäume etwas größer, im Deutschen Mittelgebirge sein könnten.

Eigentlich kenne in Norwegen nur Täler, die keine Ebenen haben. Auf den Lofoten scheint es anders zu sein. Heute gibt es Ebenen, die umstellt sind von schroffen Bergen. Ich mag das.

Glück muss der Mensch haben. Ich muss zur Fähre zwischen Fiskebøl und Melbu. Im Fahrplan lese ich 17:55. Meinen Berechnungen nach müsste ich 15 Minuten vor Abfahrt da sein. Mir passiert, was mir schon lange nicht mehr passiert ist. Ich schlafe beinahe auf dem Rad ein. Deswegen mache ich vorsichtshalber ein Nickerchen. Damit müsste ich die Fähre verpassen.

Dann erfreue ich mich einer Baustelle, deren Schotterbelag mich extrem ausbremst. Ich sehe mich schon am Fähranleger übernachten. Als ich auf den Fähranleger zu fahre, macht das Schiff schon die Auffahrrampe hoch. Ich winke und die Rampe wird für mich noch mall herabgelassen. Noch viel verblüffter bin ich, dass es erst 17:40 ist.

In Stokmarknes angekommen suche ich den angeblichen Campingplatz auf. Man soll sich mit SMS melden, Kennzeichennummer seines Autos dazuschreiben und 250 Kr zahlen. Meine Anfrage was Zelte zahlen bleibt unbeantwortet. Ich ziehe von dannen und finde ein wenig später ein Plätzchen an der Küste.