20. Tag: Suolojávri – Alta (82.40km)

Heute habe ich das Mückenmittel von Esso verwendet. Die Mücken kommen mir nicht ganz so nahe.

Ich nehme zurück, dass es bei Rentieren einen Ansatz von Intelligenz geben könnte.

Es steht mal wieder eine Miniherde auf der Straße herum. Wobei mal die Frage zu stellen wäre, was wollen die da? Es gibt dort nichts zu fressen.

Für Rentiere überraschend, entscheidet sich die Gruppe sofort für eine Richtung und hält die bei. Eine Sensation! Kein Hin und Her, kein Wankelmut. Kaum ist die Herde in der schützenden Böschung verschwunden, prescht in panischer Flucht eine Mutter mit ihrem Jungen auf die Straße, beäugt mich, rennt die Straße entlang, um dann wieder in der Böschung zu verschwinden.

Heute lerne ich, rücke nie deine Ersatzteile heraus und wirke nicht kompetent.

40 km vor Alta hält mich Peter, ein entgegenkommender Ire an. Ob es den in Kautokeineo ein Fahrradgeschäft gäbe. Er bräuchte eine neue Kette, seine wäre zu lang.

Da ich eine Ersatzkette habe und heute mein letzter Tag, denke ich mir, gib sie ihm, denn in Kautokeineo gibt es keinen Radladen.

Große Verwunderung bei Peter, dass ich eine Kette dabei habe. Ich drücke ihm meinen Kettennieter in die Hand, bzw. ich versuche es. Sein ratloser Blick sagt mir: „Stephan Du hast jetzt Arbeit.“

Auf Nachfragen erfahre ich, Peter hat nur einen Speichenschlüssel dabei.

Beim Öffnen der Kette verbiege ich aus irgendeinem Grund die Spitze des Kettennieters. Mir bricht Schweiß aus. Wie kürze ich die neue Kette, viel schlimmer wie kriege ich sie zu.

Ich schaffe den Kettennieter zu reparieren, ohne ihn abzubrechen.

Also Kette gekürzt und mit einem Kettenschloss montiert.

Peter gibt mit 15 Euro für die Kette und will losfahren. Er jammert seine Kette springt. Ich setzte mich auf sein Fahrrad und stelle fest, die Kette rutscht durch. Die Kassette muss ziemlich abgefahren sein.

Also mache ich die alte Kette von Peter dazu bereit, dass er sie mit einem Kettenschloss montieren kann. Ich packe zusammen. Peter bekommt das Kettenschloss nicht zu. Ich schaue mir die Sache an und stelle fest, er hat die Kette um den Spanner gewickelt und dann eingefädelt.

Ich fädle die Kette richtig ein und versuche das Kettenschloss zu schließen. Was mir mach einigen ungewohnten Mühen gelingt.

Peter will wissen, ob seine Cassette bis Tornio 500 km halten wird. Ich kann es ihm nicht sagen. Ich rate ihm, doch nach Alta zurückzufahren, und sich die Teile wechseln zu lassen. Auch auf die Gefahr hin, es ist Samstag, vor einem geschlossenen Laden zu stehen.

Er entschließt sich Tornio zu fahren. Hoffen wir, dass das System hält.

In Alta angekommen, gehe ich auf den Campingplatz in Kronstad. Ich werde gleich zweimal gefragt, ob ich ernstlich drei Nächte bleiben will.

Dann gehe ich einkaufen. Weil der Flughafen direkt am Weg ist und ich gelesen habe, Alta wäre das Tor für Nordkappreisende, will ich dort nach deutschen Zeitschriften Ausschau halten.

Die Flughafentüren öffnen sich nicht. Ich rüttle an ihnen, führe verrückte Bewegungen für den Bewegungssensor auf (Natürlich wird der Eingang kameraüberwacht.). Irgendwann fällt mir auf, dass ich im Gebäude kein Licht und keine Bewegung sehe. Alle Gitter sind bei den Geschäften herabgelassen. Ein Schritt zurück und ein Blick zur Seite, da hängt ein Schild, der Flughafen wird samstags um 14:30 geschlossen. Es ist 15:30.