14. Tag: Tana Bru – Munkbakken (106.53km)

Die Wärme treibt mich aus dem Schlafsack. Zum ersten Mal bei dieser Reise scheint die Sonne morgens auf das Zelt. Deswegen wage ich es sogar ohne Jacke loszufahren.

Dieses Vergnügen währt nur bis zum späten Vormittag. Es zieht wieder zu und ich mir meine Jacke an.

Wieder stoße ich auf meine Gespensterbäume. Aber dieses Mal vermischt mit belaubten Bäumen.

In einer Tankstelle erweise ich mich als mückenneurotischer Deutscher. Ich habe zwar schon ein Mückenschutzmittel, aber als ich die Tankstelle betrete, fällt sofort das Mückenschutzmittel in mein Auge. Meine Skandinavienerfahrungen sagt mir, wird das Mückenschutzmittel aufdringlich präsentiert, dann sind die Mücken auch aufdringlich.

Dann steht auf der Packung DEET und nicht für Kinder geeignet. Ich muss noch nach Finnland. Mücken entlarven mich als Ökosau. Komme mir keiner mit seinen deutschen Bedenken ohne reale Erfahrung der wahren Tatsache.

Das Mittel kostet 150Kr. Liebe Leute von Esso, wenn ich das Mittel nicht brauchen sollte und auf einen Marketingtrick reingefallen bin, dann werdet ihr meine Marktmacht als Radfahrer gänzlich spüren. Ich boykottiere dann Esso.

Die Strecke nach Kirkenes bin ich schon vor zwei Jahren gefahren. Kurios, auf was mein Gedächnis diese Strecke eingedampft hat. Die Hochebene mit den vielen Rentieren. Der Wasserfall an dem Abzweig nach Finnland. Aber die Landschaft auf 100 hm, die einer Gebirgslandschaft ähnelt, die ganzen Steigungen, alles entfallen.

Auch heute stelle ich wieder fest, dass Rentiere in einer Herde wesentlich schreckhafter und fluchtbereiter sind. Ich komme an keine Herde näher als 100 m. Einzeltiere, die ins Fressen vertieft sind, lassen eine Annäherung von wenigen Metern zu. Andere Einzeltiere schauen sogar eher neugierig, was da kommt.

Eigentlich wäre es interessant zu wissen, warum sich Rentiere in solch verschiedenen sozialen Verbänden durch das Leben bewegen?

In einer größeren Herde sehe ich ein Rentier, welches ein lahmes Bein besitzt. Es scheint damit überleben zu können. War das immer schon so oder hat der Mensch mittlerweile die natürlichen Feinde des Rentieres der Art dezimiert?