6. Tag: Øyra – Eikrem (105km)

Der Tag begann schön. Immer am Wasser entlang mit fast perfekten Ausblicken. Warum nur fast perfekt?

Aus irgendeinem Grund liegt trotz des guten Wetters in alle Blickrichtungen eine Art Schleier über der Landschaft.

Norwegen scheint für heute die Steigungen vergessen zu haben. Doch gegen Mittag mache ich wenige Kilometer vor der ersten Fähre mit einem anderen Feind des Reiseradlers Bekanntschaft. Dem Gegenwind. Ich hätte mich nicht so über die bisherige Windstille so freuen sollen.

Und dann beginnt der ekelhafte Teil des Tages. Die Straße 61, Steigungen und Gegenwind.

Die 61 ist stark befahren, eher schon überlastet und wie alle von mir befahrenen Straßen in Norwegen zu schmal für den Verkehr.

Also die Autos können mich nicht großzügig passieren. Also wie zuckele ich den Berg hoch ohne im Weg zu sein, aber auch keine Verführung zu sein, knapp zu überholen.

Seit Tagen irritiert mich ein Knarzen am Rad. Der verdächtigte Brookssattel kann nach den üblichen Antiknarzmaßnahmen seine Unschuld beweisen. So allmählich fällt der Verdacht auf meinen Lenker. Wenn ich links belaste, knarzt es. Der Lenker will doch nicht brechen. Alles untersucht, geölt und festgezogen. Es knarzt trotzdem weiter. Aus irgendeinem Grund schenke ich einer Schraube meines Speedlifters meine Aufmerksamkeit, obwohl ich sie bisher noch nie wahrgenommen habe. Ich drehe die Schraube um eine Achteldrehung zu und plötzlich ist Ruh.

Auch heute kann ich wieder feststellen, in Norwegen gibt es zwei Faktoren, die für das Temperaturempfinden endscheidend sind. Die Sonne, der Wind. Die Gradzahl ist eine marginale Größe. Ist es windstill, würde man am liebsten in das Meer springen, trotz der angesagten 17 Grad. Aber dann fährt der Wind daher und man möchte sich in seine Herbstschale werfen. In dieser Temperaturachterbahn wurde ich heute fröhlich herumgeworfen.

Eine weitere Sache habe ich heute gelernt. Man sollte beim Bezahlen auf der Fähre nicht von einem „bike“ sprechen, sondern von einem „bicycle“. Zu spät habe ich bemerkt, dass ich als Motorrad abgerechnet worden bin.