4. Tag: Potila – Jarhois (115.21km)

Neben meinem Zeltplatz fließt ein kleines Bächen. Da mir das Abpumpen mit meinem Wasserfilter dann doch etwas artistisch anmutet, fülle ich meine Ortliebwasserschüssel und pumpe von dort ab. Ich würde jedem empfehlen, der mit Wasserfilter unterwegs ist solch eine Faltschüssel empfehlen.

Es ist sieben Uhr morgens und ich suche schon den Schatten, weil ich sonst ins Schwitzen gerate. Dieser Tag steht unter dem Motto: „Hitzschlag am Polarkreis“.

Ich lege mich irgendwann einfach in den Schatten am Straßenrand, weil mir schwummrig wird. Und dann tue ich etwas, was ich noch nie getan habe. Ich tränke mein T-Shirt zwei Mal im Laufe des Tages mit Wasser. Eine wahre Wohltat.

Die Fahrt führt das Tornedalen entlang. Es ist wunderbar. Allmählich dämmert es mir, warum ich letztes Jahr die letzten Tage Nordschweden so unattraktiv fand. Ich bin damals quer zu den Flüssen gefahren. Jetzt parallel. Das Wort der Lebensader wird hier sinnfällig.

Ich treffe am Vormittag einen Schweden, der mir von einer offenen Landschaft spricht. Für schwedische Verhältnisse hat er recht.

Er erzählt mir auch, dass vor sechs Wochen der letzte Schnee lag. Jetzt sehe ich in eine Frühsommerlandschaft. Die Wiesen werden schon gemäht. Vor vier Wochen wurden bei mir in der Gegend die ersten Wiesen gemäht.

Gegen Mittag gebe ich mich der schwedischen Unbekümmertheit hin, werfe meine Klamotten ab und bade mich im Fluss. So bekomme ich auch endlich das Djungeloljasohweißgemisch los.

In Övertörna schaue ich mir die Kirche an. Ich werde gefragt, ob ich eine deutsche Erklärung haben will. Ich bejahe. Mir wird aber nicht der übliche deutsche Text in die Hand gedrückt. Nein, die ganze Kirche wird mit dem deutschen Text über die Kirchenlautsprecheranlage beschallt.

So erfahre ich, dass die Orgel von einem Spandauer gebaut worden ist.

Zum Abschluss erklingt ein auf der Orgel gespieltes Stück mit Kuckucksrufen.

Am Nachmittag stehe ich vor einem Lanthandler und lecke mein Eis. Mich spricht ein Mann an, von dem mir nicht klar wird, ob schrullig oder ob hinter dem Polarkreis fahrradtechnisches Notstandsgebiet herrscht.

Der Mann ist Umweltaktivist und gilt ein wenig als Sonderling des Dorfes, weil er sein Auto aus Klimaschutzgründen verkauft hat.

Aus irgendeinem Grund zeige ich ihm mein Nabendynamoladegerät. Er ist ganz aus dem Häuschen, weil er für seine Radtrips so etwas bräuchte. Noch mehr verblüfft ihn meine Liste in Deutschland kommerziell erhältlicher Ladegeräte. Ich muss ihm das deutsche Wort für diese Geräte für google aufschreiben.

Von meinem Scheinwerfer ist er auch ganz angetan. Aber nicht, weil es der hellste Scheinwerfer auf dem Markt ist, sondern weil der Scheinwerferhalter aus Stahl ist. Noch platter ist er, als er erfährt, dass dies Standard in Deutschland ist. Er photographiert den Lampenhalter sogar.

Dann bereitet er mich auf Jonas vor. Jonas ist von Südschweden nach Nordschweden gelaufen. Ich fahre später an Jonas vorbei. Sein Rucksack ist ein Solarpanel. Sein Gepäck zieht er in einem Wägelchen hinter sich her.

Am Campingplatz treffe ich ein deutsches Ehepaar. Sie fragen mich, ob ich Jonas getroffen hätte.

Kurz hinter dem Polarkreis treffe ich eine Frau im Bikini die mit Inlineskatern Langskilauf trainiert.

Entweder sind Rentiere saucoole Tiere oder saudoofe. Aber sie haben ein Rad ab.

Das heutige Rentier rast konsequent die Mittellinie entlang. Das Auto, welches entgegenkommt, stört nicht. Die Mittellinie muss eingehalten werden. Als das Rentier mich sieht, biegt es in einem Waldweg ab. Aber statt in den Wald zu rennen, bleibt es stehen und beobachtet so, was ich da treibe. Dann entschließt sich das Rentier seinen Weg fortzusetzen. Natürlich konsequent auf dem Mittelstreifen.