20. Tag: Kirkenes

Ich laufe nach Hesseng und fahre dann mit dem Bus weiter nach Kirkenes. Im Bus lerne ich, dass jeder Sitzplatz einen Sicherheitsgurt hat und es anscheinend eine Anschnallpflicht gibt.Im Zentrum steige ich aus.

Vorab Kirkenes ist wahrhaft keine schöne Stadt.

Persönlich finde ich, dass diese nördlichen Städte etwas Heruntergekommenes haben. Das dürfte aber mit dem Winter zu tun haben. Manches dürfte sich nicht lohnen, so zu machen, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin, weil es der Winter kaputtmacht. Die bestehenden Sachen gegen den Winter instand zu halten, dürfte auch das Mehrfache als in Deutschland kosten. Und wann soll man das alles in dem kurzen Sommer erledigen.

Für die norwegische Küste dürfte auch noch etwas anderes gelten. Es war ein hart umkämpftes Gebiet im zweiten Weltkrieg und Kirkenses gehört zu einer der meist zerbombten Städte des zweiten Weltkrieges.

Da auch Kirkenes nahezu dem Erdboden gleichgemacht worden ist, besteht das Zentrum aus lauter Bauten der Neuzeit, die am nordischen Zerfall leiden.

In gewisser Weise fühle ich mich an Frankfurt an der Oder erinnert, das aus ähnlichen Gründen solch ein Zentrum hat.

Bevor ich das alles erfahre, laufe ich  in Kirkenes herum und gehe meinem Spleen nach Alltagsarchitektur zu photographieren. Fast von allen Standpunkten sieht man die Gebäude des Erzbergwerkes.

Dabei gelange ich zum Grenzlandmuseum, wo ich sowieso hin wollte.

Dort wird die Geschichte der Region dargestellt. Hauptsächlich geht es um den WK II.

Die Texte des Museums liegen auch auf Deutsch vor. Leider ist der Text teilweise aufgrund der Übersetzung schwer verstehbar.

Ursprünglich war diese Region ein Gebiet eines Volkes, aber den Einflüssen von West und Ost ausgesetzt. Bis die Wikinger sich für diese Region interessieren. Seitdem streiten sich verschiedene Parteien um diese Region, was zu Grenzen in der einst zusammengehörigen Region führte.

Das schlimmste Ereignis mit den fatalsten Folgen für die Region war der zweite Weltkrieg.

Zwei Exponate finde ich besonders beeindruckend. Zu einem der Text einer jungen Mädchen aus Vadsø, in der sie das Explodieren der russischen Bomben bei den Bombardierungen von Vadsø – die Heimatstadt des Mädchens – und der anderen norwegischen Städte am Varanger als Musik der Befreiung in ihren Ohren beschreibt.

Grundsätzlich scheint es so, dass die Russen als Befreier empfunden werden. In Kirkenes gibt es sogar ein Denkmal, welches den russischen Soldaten für die Befreiung dankt.

Umso verwunderlicher fand ich es, dass die Texte des Museums nicht auf Russisch vorlagen, aber in den Sprachen all der anderen Nachbarstaaten. Russland ist ungefähr 10 km entfernt.

Das andere Exponat ist eine auf Stoff gedruckte an der Decke hängende Photographie. Rechts unten ein Elch, über ihm Bomber und links sieht man eine Explosion.

Als Deutscher hält man ja- so glaube ich – Primus für eine moderne Outdoormarke. Deswegen stutze ich ein wenig, als ich einen Primuskocher auf der Ausrüstungsliste einer Partisanengruppe lese.Im oberen Stockwerk des Museums gibt es eine Ausstellung verschiedener Photographen der Region aus verschiedenen Zeiten. Texte sind eher Mangelware. Trotzdem gestatten die Photos alleine interessante Einblicke in das Leben der Region.

Danach streife ich weiter durch die Stadt. Dabei fällt mir ein in meinen Augen ein Kuriosum auf. In auffallend vielen Gärten stehen Gestelle mit Wäscheleinen. Was machen die Menschen im Winter. Gefriertrocknen?

Bei meinem Streifzug komme ich auch zum Hafen. Dort liegen russische Schiffe. So wie die Sache auf mich wirkt, ist dieser Hafen eine Art Schrottplatz für russische Schiffe.

Als ich finde, ich habe genug gesehen, stehe ich neben einer Bushaltestelle und der Bus nach Hesseng fährt gerade auch vor.

In Hesseng gehe ich einkaufen und laufe dann wieder zum Zeltplatz.